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FSSC 22000 Version 7: Was sich gegenüber Version 6 ändert – kompakt erklärt

vom 3. Mai 2026

Mit der Veröffentlichung der FSSC 22000 Version 7 beginnt für zertifizierte Unternehmen eine neue Phase in der Weiterentwicklung ihrer Lebensmittelsicherheitsmanagementsysteme. Die Version 7 ist keine rein redaktionelle Anpassung, sondern eine fachlich relevante Weiterentwicklung des Zertifizierungsschemas. Sie bringt neue Anforderungen an Präventivprogramme, Nachhaltigkeit, Food Safety & Quality Culture, Lieferkettenbewertung, Produktspezifikationen, Verpackungsdesign, Auditorenkompetenz und die Struktur der Lebensmittelkettenkategorien mit sich.

Die Foundation FSSC hat die FSSC 22000 Version 7 im Mai 2026 veröffentlicht. Audits nach Version 6 sind noch bis 30. April 2027 zulässig. Upgrade-Audits nach Version 7 finden im Zeitraum vom 1. Mai 2027 bis 30. April 2028 statt.

Warum wurde die FSSC 22000 Version 7 überarbeitet?

Die Revision verfolgt mehrere Ziele. Im Mittelpunkt stehen die Einbindung der neuen ISO 22002-x:2025-Reihe für Präventivprogramme, die Anpassung an die GFSI Benchmarking Requirements 2024, eine stärkere Berücksichtigung der UN Sustainable Development Goals, eine klarere Struktur der Food-Chain-Kategorien sowie allgemeine Verbesserungen im Sinne der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Schemas.

Damit wird deutlich: FSSC 22000 Version 7 rückt stärker an aktuelle Erwartungen von Kunden, Behörden, Handel, Markeninhabern und globalen Lieferketten heran. Unternehmen müssen nicht nur nachweisen, dass sie sichere Lebensmittel herstellen, verarbeiten, lagern, handeln oder verpacken. Sie müssen künftig noch klarer zeigen, dass ihr Managementsystem risikobasiert, wirksam, aktuell und strategisch geführt wird.

Die wichtigste Änderung: neue PRP-Struktur durch ISO 22002-x:2025

Eine der zentralen Neuerungen ist der Wechsel von bisherigen PRP-Grundlagen wie ISO/TS 22002-x und BSI PAS-Dokumenten hin zur neuen ISO 22002-x:2025-Reihe. Die neue Struktur führt einen gemeinsamen Basisstandard, ISO 22002-100:2025, ein. Dieser enthält übergreifende Anforderungen für Präventivprogramme entlang der Lebensmittelkette. Ergänzend kommen sektorspezifische Teile hinzu, zum Beispiel für Lebensmittelherstellung, Catering, Transport und Lagerung, Verpackungsmaterialien oder Futtermittel.

Für Betriebe bedeutet das: Bestehende PRP-Programme sollten nicht nur formal umbenannt, sondern fachlich gegen die neue Normstruktur geprüft werden. Besonders relevant sind bauliche Anforderungen, Hygienemaßnahmen, Reinigungs- und Desinfektionsprogramme, Schädlingsmanagement, Fremdkörpermanagement, Allergenlenkung, Wartung, Personalhygiene, Abfallmanagement und Maßnahmen gegen Kreuzkontamination.

Gegenüberstellung: FSSC 22000 Version 6 und Version 7

Food Safety & Quality Culture wird verbindlicher

Ein besonders praxisrelevanter Punkt ist die Weiterentwicklung der Lebensmittelsicherheitskultur. Version 7 spricht ausdrücklich von Food Safety and Quality Culture. Die Unternehmensleitung muss Ziele festlegen, ausreichende Ressourcen bereitstellen und einen dokumentierten Kulturplan mit Zielgrößen, Zeitrahmen, Management Review und kontinuierlicher Verbesserung etablieren. Mindestinhalte sind Kommunikation, Schulung, Mitarbeiterfeedback, Engagement sowie Leistungsbewertung definierter Aktivitäten.

Damit wird Kultur stärker überprüfbar. Es genügt nicht, in Schulungen allgemein auf Lebensmittelsicherheit hinzuweisen. Unternehmen müssen zeigen können, wie Führung, Kommunikation, Verhalten, Rückmeldungen, Korrekturmaßnahmen und Kennzahlen zusammenwirken.

Allergenmanagement: Warnhinweise ersetzen keine Kontrolle

Auch das Allergenmanagement wird in Version 7 sehr konkret beschrieben. Gefordert werden unter anderem eine Liste aller am Standort gehandhabten Allergene, eine Risikobewertung möglicher Kreuzkontaminationen, geeignete Kontrollmaßnahmen, Validierung und Verifizierung dieser Maßnahmen sowie risikobasierte Verifizierungstests. Warnhinweise dürfen nur verwendet werden, wenn trotz wirksamer Kontrollen ein relevantes Restrisiko besteht.

Für die Praxis ist das ein klares Signal: Allergenhinweise auf Verpackungen dürfen nicht als Ersatz für ein funktionierendes Allergenmanagement dienen. Unternehmen müssen ihre Produktionsplanung, Reinigung, Linienfreigabe, Personalwege, Rohwarensteuerung und Rework-Prozesse nachvollziehbar beherrschen.

Food Loss & Waste: Nachhaltigkeit wird auditrelevant

Mit Version 7 wird die Reduzierung von Lebensmittelverlusten und Lebensmittelverschwendung deutlich sichtbarer. Unternehmen müssen eine dokumentierte Strategie mit Zielen, messbaren Vorgaben und Zeitrahmen zur Reduzierung von Food Loss & Waste innerhalb der Organisation und der relevanten Lieferkette etablieren.

Das ist mehr als ein Nachhaltigkeitsthema. Lebensmittelverluste entstehen häufig an Schnittstellen, an denen auch Lebensmittelsicherheitsrisiken auftreten: Prozessabweichungen, Fehlchargen, unklare Haltbarkeitsbewertungen, Verpackungsfehler, Temperaturabweichungen, mangelhafte Bestandsführung oder unzureichende Prozessvalidierung. Wer Food Loss & Waste systematisch reduziert, verbessert häufig auch Prozessstabilität, Wirtschaftlichkeit und Produktsicherheit.

Verpackungsdesign rückt stärker in den Fokus

Für Unternehmen, die Primärverpackungen oder Verpackungsmaterialien entwickeln, werden Verpackungsdesignprinzipien relevanter. Version 7 nennt unter anderem den wirksamen Schutz des Produkts, die Verlängerung oder Erhaltung der Haltbarkeit, die Minimierung von Food Loss & Waste sowie klare Verbraucherinformationen zu Handhabung, Lagerung und Zubereitung. Gleichzeitig darf keine Maßnahme die Lebensmittelsicherheit negativ beeinflussen.

Das betrifft nicht nur Verpackungshersteller. Auch Lebensmittelunternehmen sollten prüfen, ob Verpackungsänderungen, Materialumstellungen, Rezyklateinsatz, neue Barriereeigenschaften oder veränderte Verbraucherinformationen ausreichend bewertet, validiert und freigegeben werden.

Lieferantenmanagement, Labore und Spezifikationen werden anspruchsvoller

Version 7 konkretisiert auch Anforderungen an Dienstleistungen und zugekaufte Materialien. Wenn Laboranalysen zur Verifizierung oder Validierung lebensmittelsicherheitskritischer Parameter verwendet werden, müssen diese durch kompetente Labore mit validierten Methoden und geeigneten Nachweisen erfolgen. Zusätzlich werden Anforderungen an Notfallbeschaffung, Spezifikationsprüfungen sowie bestimmte Rohstoffrisiken, etwa verbotene Substanzen bei Tieren, Fisch und Seafood, formuliert.

Für Unternehmen bedeutet das: Lieferantenfreigabe, Spezifikationsmanagement, Analysenpläne, Dienstleisterbewertung und Notfallbeschaffung sollten frühzeitig auf Lücken geprüft werden.

Was sollten Unternehmen jetzt tun?

Der Übergang auf Version 7 sollte nicht erst kurz vor dem nächsten Audit beginnen. Sinnvoll ist ein strukturierter Umstellungsprozess:

  1. Gap-Analyse durchführen
    Prüfen Sie FSSC 22000 Version 6 gegen Version 7, insbesondere PRPs, Zusatzanforderungen, Food Safety & Quality Culture, Food Loss & Waste, Allergenmanagement, Umweltmonitoring, Fremdkörpermanagement und Lieferantenprozesse.
  2. Anwendbare ISO 22002-x:2025-Teile bestimmen
    Je nach Kategorie und Zertifizierungsumfang müssen die richtigen PRP-Standards identifiziert und in das Managementsystem integriert werden.
  3. Zertifizierungsumfang überprüfen
    Durch die klarere Struktur der Food-Chain-Kategorien kann es notwendig sein, Scope, Tätigkeiten, Standorte, ausgelagerte Prozesse und Produktgruppen neu zu bewerten.
  4. Dokumentierte Nachweise aktualisieren
    Besonders relevant sind Verfahrensanweisungen, Gefahrenanalysen, PRP-Nachweise, Allergenpläne, Spezifikationen, Lieferantenbewertungen, Kulturpläne, Management-Review-Eingaben und interne Auditprogramme.
  5. Führungskräfte und Schlüsselpersonen schulen
    Version 7 betrifft nicht nur QM oder Lebensmittelsicherheit. Einkauf, Entwicklung, Produktion, Technik, Verpackungsentwicklung, Logistik, Instandhaltung und Geschäftsführung müssen die relevanten Änderungen verstehen.
  6. Interne Audits an Version 7 ausrichten
    Interne Audits sollten vor dem Upgrade-Audit bereits nach Version 7 geplant und durchgeführt werden, um Schwachstellen rechtzeitig zu erkennen.

Version 7 ist eine Chance zur Systemschärfung

FSSC 22000 Version 7 bringt mehr Struktur, mehr Nachweistiefe und eine stärkere Verbindung zwischen Lebensmittelsicherheit, Qualität, Nachhaltigkeit und Lieferkettenverantwortung. Für Unternehmen ist die Revision kein reiner Dokumentenwechsel. Sie ist eine Gelegenheit, bestehende Systeme kritisch zu überprüfen, PRPs zu modernisieren, Verantwortlichkeiten zu schärfen und auditrelevante Prozesse robuster aufzustellen.

Wer frühzeitig beginnt, profitiert doppelt: Das Upgrade-Audit wird planbarer, und das Managementsystem gewinnt an Wirksamkeit. Gerade für Lebensmittelhersteller, Verpackungsunternehmen, Logistikdienstleister, Caterer, Handelsunternehmen und Unternehmen mit komplexen Lieferketten ist Version 7 ein klares Signal: Lebensmittelsicherheit bleibt nicht statisch. Sie entwickelt sich weiter – und erfolgreiche Unternehmen entwickeln ihre Systeme mit.